Das Ventil von Mexiko
Chronologie einer Umwelt-Katastrophe
20.04.10: Auf der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ kommt es zu einer Explosion – 11 von 126 Arbeitern sterben! Das Sicherheitsventil, welches das Rohr am Meeresboden verschließen soll, versagt.
21.04.10: Die Bohrinsel steht in Flammen, Löschschiffe haben die Unglücksstelle erreicht.
22.04.10: Eine zweite Explosion versenkt die Bohrinsel. In 1500 Metern Tiefe verschmutzen täglich Hunderttausende Liter Öl das Meer.
26.04.10: Mit ferngesteuerten Untersee-Robotern versucht BP, den Blowout-Preventer zu aktivieren.
27.04.10: Erster Rettungsversuch gescheitert – das Öl entweicht weiter und soll jetzt an der Oberfläche abgefackelt werden. Die brennbaren leicht flüchtigen Bestandteile jedenfalls.
30.04.10: Der Ölfilm erreicht die Küste von Louisiana.
3.05.10: BP will alle Kosten der Katastrophe übernehmen. Präsident Barack Obama macht die Ölpest zur Chefsache.
7.05.10: Eine Beton-Glocke wird über das Leck am Meeresboden gestülpt, um die Öl-Massen aufzufangen.
8.05.10: Der Versuch ist gescheitert.
12.05.10: Auch der zweite Versuch mit einer kleineren Glocke bringt keinen Erfolg.
26.05.10: Das Verfahren „Top Kill“ wird gestartet. Beim Top Kill wird Bohrspülung in das Bohrloch eingeschossen. Falls das Bohrloch damit ausreichend gefüllt werden kann, stoppt der hydrostatische Druck der Schlammsäule den Gas- und Ölfluss. Anschließend kann das Bohrloch z.B mit Zement versiegelt werden.
30.05.10: BP erklärt „Top Kill“ für gescheitert.
2.06.10: US-Behörden leiten strafrechtliche Ermittlungen wegen der Öl-Katastrophe ein – die Verursacher sollen zur Rechenschaft gezogen werden.
3.06.10: Die Ölpest erreicht Floridas Strände.
4.06.10: Ein Trichter wird über das Leck gestülpt der das ausströmende Öl absaugen soll.
6.06.10: BP meldet endlich erste Erfolge: Angeblich soll der Versuch mit dem Trichter funktionieren. Beweise dafür gibt es nicht.
9.06.10: BP kündigt an, bald werde nur noch relativ wenig Öl austreten. Bis zu diesem Zeitpunkt sind fast 190 Millionen Liter Öl ins Meer geflossen.
17.06.10: BP-Chef Tony Hayward gesteht eine beispiellose Serie von Fehlern ein.
22.06.10: Ein US-Gericht hebt das Bohr-Verbot im Golf von Mexiko auf.
23.06.10: Die Absaug-Glocke muss nach der Kollision mit einem Unterwasser-Roboter abgeschaltet werden.
27.06.10: Der Tropensturm „Alex“ zieht in die Golf-Region. Shell und BP evakuieren ihre Öl-Plattformen.
29.06.10: BP gibt zu, dass die Schäden womöglich unbezahlbar sind.
3.07.10: Der zum Ölabsaugfahrzeug umgerüstete Tank-Schüttgutfrachter A Whale soll das austretende Öl absaugen und die Katastrophe eindämmen.
5.07.10: „A Whale“ muss den ersten Einsatz ergebnislos abbrechen.
10.07.10: Der Trichter wird vom Leck entfernt. Das Öl fließt wieder ungehindert in den Golf von Mexiko.
12.07.10: Eine neue Auffang-Glocke wird über das Leck gesetzt, die das Öl stoppen soll. Zunächst nur als Test.
14.07.10: Der Test der Glocke wird verschoben. Das Öl strömt weiter in den Golf von Mexiko.
15.07.10: Ein Leck unterbricht den Test mit einem neuen 68 Tonnen schweren Zylinder, der das Bohrloch abdichten soll.
22.07.10: Als das Bohrloch endlich abgedichtet ist, zieht erneut ein Sturmtief auf – die Arbeiten werden wieder unterbrochen. Der Plan, die Quelle mit Schlamm und Zement endgültig zu versiegeln, muss um mehr als eine Woche verschoben werden.
16.9.2010: Das neue Ventil wird auf dass Bohrloch gesetzt.
17.09.10 – 19.09.10: Bottom Kill startete am 17.09.10. 4.000 Meter unter dem Meeresboden wird die Öl-Quelle mit Schlamm und Zement von unten her abgedichtet.
19.09.10: BP gibt bekannt, dass die Öl-Quelle endgültig versiegelt ist.
Vorwürfe gegenüber BP
(Quelle: Wikipedia Deepwater Horizon)
BP wird vorgeworfen, wissentlich eine Reihe von schweren Fehlern gemacht zu haben. US-Abgeordnete werfen BP fünf fragwürdige Entscheidungen vor
- Trotz einer internen Studie, die eine doppelwandige Verkleidung des Bohrlochs (eine sog. “Liner”-Konstruktion) empfahl, entschieden sich BP-Manager für eine einfache Ausführung.
- Entgegen einer Richtlinie des American Petroleum Instituts wurde der Bohrschlamm vor der Zementierung der Verkleidung nicht wenigstens einmal komplett zirkuliert. Dies ist notwendig, um Gas und Gesteinsbrocken zu erkennen.
- Entgegen eindeutiger Berechnungen der Firma Halliburton wurden von BP zur Vorbereitung der Zementierung nur 6 Zentrierhülsen angebracht statt empfohlener 21.
- Ein Test der Zementschicht durch Angestellte der Firma Halliburton wurde von BP abgesagt; die Fachleute, die sich bereits auf der Plattform befanden, wurden von BP wieder weggeschickt.
- Am oberen Ende des Bohrlochs wurde auf Befestigungselemente für das Auskleidungsrohr verzichtet.
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